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Die digitale Datendämmerung | Ein Pageflow

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Vanitas, vanitatum et omnia vanitas: Alles ist eitel und nichtig. Verstaubtes Latein? Nein. Auch dieser Pageflow ist dem Tod geweiht. Die digitale Datendämmerung droht uns allen. Und stellt auch Museen vor die Frage, wie sie digitale und Medienkunst retten können. Das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe (ZKM) hat die weltweit größte Sammlung an Medienkunst. Und das Know-How, eigene Werke und die anderer Einrichtungen zu bewahren und für künftige Generationen zugänglich zu machen. Aber nicht genug Geld.
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Eine Fliege klebt an den neuen Medien. Wie am Obst auf jahrhundertealten Stillleben-Gemälden warnt sie vor dem Verfall. Die Kunst stirbt mit der Technik, prophezeien die Spezialisten am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe. Der breiten Masse könnte das egal sein. Das digitale Desaster droht allerdings jedem, der heute schon keine Fotoalben mehr klebt. Wer sich nicht umtut, kann morgen begraben, was heute brandneu ist.
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Margit Rosen /// Kuratorin am ZKM

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Eine Ming-Vase oder ein Gemälde überstehen bei guter Lagerung Jahrzehnte. Computerbasierte Werke sind schon nach wenigen Jahren unwiederbringlich verloren, wenn sie nicht kontinuierlich überprüft und aktualisiert werden.

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Pinsel, Meißel oder Kupferplatte sind die Utensilien für die klassischen Gattungen der bildenden Kunst. Filme, Videos, Holographien, Internet, Computer, Mobiltelefonie, Spiele sind Werkzeuge der Medienkunst. Das Aufkommen elektronischer und digitaler Kunst hat Künstler seit den 1960er-Jahren zu neuen Konzepten verleitet. Damit hat sich auch die Form der Kommunikation zwischen Kunstwerk und Betrachter geändert: Sie brauchen einander. Einen Überblick über das weite Feld der Medienkunst bietet das ZKM im Internet auf der Plattform: "Medien Kunst Netz"

Foto: Die Installation "The Legible City" von Jeffrey Shaw, 1988-1991, ZKM Medienmuseum (zum Video hier)


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"Schneller, höher, weiter, besser..." Je schneller die technische Entwicklung, umso kürzer ist die "Halbwertszeit". Längst hat sich die Kunst über die medialen Kanäle von Radio und Fernsehen in den globalen elektronischen Datenraum ausgedehnt. Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant. Das weckt neue Ideen und Erwartungen. Und den Anspruch der Künstler, ihre Werke dem technischen Fortschritt anzupassen und ständig zu "verbessern". Was viele dabei vergessen, ist die Erinnerung. Die Bewahrung von Medienkunst wirft Probleme auf. Das ZKM versucht sie zu lösen.
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Margit Rosen /// Kuratorin am ZKM

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Das ZKM spielt eine wichtige Rolle für die Fortentwicklung der Medienkunst und der Forschung zu den Medien selbst. Dadurch hat die Institution zugleich die besondere Verpflichtung, diese Werke zu erhalten und ihre Expertise weiter zu entwickeln, um auch kleinere Museen zu beraten. Doch fehlt dafür Geld. Das ZKM benötigt für diese Aufgabe eine gezielte und kontinuierliche Finanzierung.

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Das Labor für antiquierte Videosysteme am ZKM ist weltweit zur zentralen Rettungsstation für Medienkunst geworden. Für Kunst wohlgemerkt, die selten älter als 50 Jahre ist. Was dort aussieht wie gut sortierter Sperrmüll, ist ein beachtliches Lager an alten Geräten, die heute nicht mehr hergestellt werden, aber „alte“ Medienkunst wieder zum Laufen bringen. Denn die alles entscheidende Frage lautet: Wie kann man Kunst unserer Zeit für nachfolgende Generationen bewahren und zugänglich machen?
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Dorcas Müller hat über Medientheorie promoviert und leitet das Labor für antiquierte Videosysteme in Karlsruhe. Seit 2004 schaltet und waltet sie dort über die Sammlung an Geräten und kümmert sich darum, dass alte Filme oder auch neuere computerbasierte Kunst am Leben bleiben und  mit Blick auf eine dauerhafte Präsentation repariert, digitalisiert und gespeichert werden. Müller und ihr Team retten nicht nur die weltweit größte Sammlung an Medienkunst des ZKM, sondern helfen auch so bedeutenden Tankern wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Centre George Pompidou in Paris oder dem Massachusetts Institute of Technology.
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Einblick ins Archiv

Dorcas Müller /// Leiterin Labor für antiquierte Videokunst

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Am ZKM gibt es ungefähr 100 computerbasierte Werke, davon viele Dutzend elektronisch basierter. Hinzu kommen etwa 100 Videoinstallationen und eine sehr große Sammlung an Videobändern auch aus anderen Museen, die nun alle digitalisiert werden müssen. Momentan sind 8 000 Medien im Labor registriert, die digitalisiert werden und wieder in den Museumsbetrieb einfließen sollen.

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Videokassetten, Filmrollen, Tonbänder: alles Schnee von gestern. Nicht nur die Formate sind ausgestorben. Die Geräte, auf denen man sie abspielen kann, werden nicht mehr hergestellt. Medienkunst braucht aber ihr materielles Medium, die "Mama". Und nun? Das ZKM sammelt veraltete Abspielgeräte, hält sie in Schuss oder baut sie notfalls neu. Wenn im Labor für antiquierte Videosysteme ein Künstler-Archiv eingeht, sind die Experten in der Lage, alle Medien abzuspielen und zu digitalisieren.
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Dorcas Müller /// Leiterin Labor für antiquierte Videokunst

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Dorcas Müller kann die Entwicklungen von Kassetten-, Video- oder Filmrollenformaten runterbeten wie andere das Vaterunser...

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Videobänder sind bis zu 40 Jahre alt. Das Trägermaterial ist Kunststoff. Mit der Zeit löst sich die Chemie der Bänder von innen heraus auf. Was aussieht wie Schimmel, ist Polyesterstaub, der sich aus dem Material heraus bildet. Hinzu kommt die Hydrolyse, also die Spaltung der chemischen Verbindung durch die Reaktion mit Feuchtigkeit. Die Bänder werden klebrig, quietschen beim Abspielen, sowohl die Maschine wie auch die Bänder können kaputt gehen. Deshalb müssen sie gereinigt und restauriert werden.
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Dorcas Müller /// Leiterin Labor für antiquierte Videokunst

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Von Polyesterstaub und Feuchtigkeit verklebte Videobänder reinigt Dorcas Müller mit Isopropanol aus der Apotheke. Anschließend werden die Filme digitalisiert für die langfristige Speicherung.

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Wenn die Reinigung mit Isopropanol nicht ausreicht, hilft nur noch die thermische Behandlung. Die Videobänder werden dann auf Plexiglas-Ringe gespult und mehrere Stunden in einem eigens dafür vorgesehenen Ofen gebacken.
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Dorcas Müller begleitet die Rettung bis hin zur Speicherung auf so genannten LTO-Bändern, kurz für „Linear Tape Open“. Ein Datenspeichersystem, das auch Banken und Versicherungen nutzen. Der Vorteil: Es ist „opensource“, also unabhängig von einzelnen Firmen. Nichts ist aber ewig: LTO-Bänder brauchen ein Schreiblesegerät, das wieder veralten wird. Wieder wird man Daten umziehen müssen auf ein anderes System. „Aus diesem Kreislauf kommen wir nicht heraus“, sagt Müller.
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"Man sagt: Um ein Medienkunstwerk zu retten, braucht man ein ganzes Dorf", sagt die Kuratorin Margit Rosen. "Tatsächlich ist es nichts mehr, was eine Person machen kann. Hier am ZKM arbeiten wir in interdisziplinären Teams."
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Margit Rosen /// Kuratorin am ZKM

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"Wir Kuratoren würden am liebsten alles so bewahren wie es war - mit allen Kratzern und Bild-Zusammenbrüchen, langsam und ruckelnd funktionierende computerbasierte Werke", sagt die Medienkunst-Kuratorin Margit Rosen. Die Künstler sehen das bisweilen anders. Sie sehen die technischen Möglichkeiten, ihr Werke stets verbessern zu können.

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Verhandeln ist gut, verfolgen ist besser. Wie kompliziert das nachträgliche Speichern von digitalisierten, aber ursprünglich analogen Werken ist, haben wir bisher gesehen. Noch viel schwieriger wird es mit genuin digitaler Kunst. Experten am ZKM nennen sie "born-digital" und haben dieser Gattung das Projekt "digital art conservation" gewidmet. Diese Werke zu speichern erfordert aufwendige Strategien. Eine davon ist die Emulation.
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Wenn die Hardware fehlt, weil ein Betriebssystem veraltet ist, kann die Software nicht mehr laufen. Man muss sie für ein neues System emulieren. Programmierer erklären das Verfahren der Emulation bildhaft mit dem Prinzip der „Matrjoschka“, der russischen Puppen, die man ineinander steckt. Nur dass es sich hierbei nicht um Puppen handelt, sondern um alte Daten. Sie werden in eine vertraute Mutter-Umgebung überführt, die wiederum auch auf aktuellen Systemen läuft.
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Philipp Tögel /// Programmierer und Künstler

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Philipp Tögel ist Künstler und Programmierer. Im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universität der Künste Berlin (2015-2016) setzte er sich mit den Herausforderungen der Emulation computerbasierter Werke und der Bedeutung solch einer Strategie für die konservatorische und kuratorische Praxis auseinander. Am ZKM war er "Archivist in Residence" und erklärt Emulation in anschaulichen Worten.

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Philipp Tögel /// Programmierer und Künstler

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Als "Archivist in Residence" des ZKM und der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (HfG) widmete sich Tögel dem Erhalt von Kunstwerken, die auf elektronischen Technologien basieren – insbesondere der digitalen Technologie – sowie den Anforderungen und möglichen Horizonten des Archivs unter den Bedingungen der Digitalisierung. 

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Durch die Flure des ZKM

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Das ZKM steht unter großem Zeitdruck. Margit Rosen: „Wenn wir nicht schnell Strategien entwickeln und in 50 Jahren auf das Ende des 20. und den Beginn des 21. Jahrhunderts zurück- blicken, wird der Ausdruck einer ganzen Generation einfach verloren sein.“

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Margit Rosen /// Kuratorin am ZKM

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Foto, Video, Schnitt und Sound:

Tanja Mori Monteiro, Christian Bodamer

Konzept und Text:
Isabel Steppeler
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